Eine erste Auswertung der Umfrage zum „Lernen in der Isolation in Zeiten von CORONA“

Frage 1: Könnte die Schule sofort wieder starten?

Von den Schülern würde sich eine (nicht zu große) Mehrheit von 54,1% überfordert fühlen, entsprechend 45,9% hätten kein Problem damit.

Interessant: die Kinder trauen sich viel mehr als ihre Eltern zu. Diese sind zu 81,8% der Meinung, die Schüler könnten nicht sofort in den laufenden Schulstoff wieder „einsteigen“.

Frage 4: Selbständige Arbeit mit dem Lehrbuch

Die Frage lautete: Wahrscheinlich wirst Du häufiger als bisher aufgefordert, Dir Wissen aus dem Lehrbuch selbständig zu erarbeiten. Mit dieser Herausforderung kommst Du wie gut zurecht?

Hier die Einschätzung der Schüler:

Die Eltern sehen die Fähigkeit zur Lehrbucharbeit wie hier dargestellt:

Differenziert man Selbstauskünfte, wird ein erstes Problem sichtbar:

Von den Schülern, welche sofort wieder in den laufenden Schulbetrieb „einsteigen“ könnten, kommen 94,1% „gut“ und besser mit der selbständigen Lehrbucharbeit zurecht!

Die Schüler, die sich eine nahtlose Weiterführung des Unterrichtes nicht zutrauen, haben nur zu 45% Erfolg mit dem Selbststudium aus dem Lehrbuch!

Frage 5: Die Menge der zu lösenden Aufgaben ist Dir …

Auch hier tritt wieder eine deutliche Differenzierung in der Einschätzung der Schüler auf.

Diejenigen Schüler, die Frage 1 mit „ja“ beantworteten, empfanden zu fast 60% die Menge der gestellten Aufgaben als „gerade richtig“ bzw. sogar „könnte mehr sein“.

Ganz im Gegensatz das Empfinden der anderen Schülergruppe: nur 30% schlossen sich der Einschätzung der erstgenannten Gruppe an. 35% von ihnen sagten „viel zu viel“ oder saßen verzweifelt vor dem von ihnen als Berg empfundenen Aufgabenstapel.

Frage 8 – was wäre wenn …

… es ständig „Fernunterricht“ gäbe? Welcher Anteil dieser Unterrichtsform würde den Schülern mehr Erfolg ermöglichen?

Eine interessante Selbsteinschätzung!

An dieser Stelle aber gleich ein Ausschnitt aus einer Email eines Schülers, über das sich jeder andere Lehrer auch gefreut hätte:

… In den vergangenen Wochen ist mir klar geworden, dass es doch besser ist in die Schule zu gehen, als den ganzen Lernstoff und deren Aufgaben Zuhause zu lösen. …

Das ist nicht nur eine Einzelmeinung. Mehrere Schüler schrieben Kollegen und mir in diesem Sinne.

Aber auch bei dieser Frage gibt es den Unterschied, den ich bei den Antworten zu den Frage vier und fünf beobachten konnte.

Bei den Eltern dagegen wünscht keiner mehr als 50% Fernunterricht.

Frage 6: Reichen die technischen Voraussetzungen?

Nicht ganz überraschend: häufig fehlt das schnelle Internet. Aber auch an Endgeräten mangelt es noch, besonders wenn mehrere Kinder in einem Haushalt sind:

Die „freien“ Fragen

Die Antworten zu den Fragen 3, 7 und 9 konnten frei formuliert werden. Eine erste Zusammenfassung der Probleme und Wünsche:

  • Auch bei „digitalen Fernunterricht“ muss es Möglichkeiten für den Schüler geben, Rat und Hilfe einzuholen.
  • Die Schüler schätzen den Kontakt zum Lehrer und zu Mitschülern (Einrichtung von digitaler Gruppenarbeit?).
  • Vereinheitlichung des Umfanges der Aufgaben und der Anforderungen in den verschiedenen Unterrichtsfächern.
  • Selbständig einen strukturierten Arbeitsablauf zu organisieren, fällt vielen Schülern schwer. Erscheint dann noch die Menge der Aufgaben als zu hoch, verstärken sich die Motivationsprobleme.

Die teilnehmenden Eltern waren alle sehr interessiert am Erfolg ihrer Kinder. Viele traten sofort in die Rolle des „Vertretungslehrers“ und kamen dadurch in Konflikte mit ihren weiteren beruflichen und familiären Verpflichtungen. Die neue Situation verschaffte ihnen in kurzer Zeit einen tieferen Einblick den vermittelten Unterrichtsstoff.

Wie weiter?

Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“

Max Frisch

Die Digitalisierung des Unterrichtes wurde an meiner Schule seit den entsprechenden Beschlüssen der Bundesregierung schon vorbereitet, durch die Corona-Krise waren wir plötzlich und ungewollt zu einem Praxistest gezwungen. Wie alle meine Kollegen musste ich innerhalb kürzester Zeit neue Wege des Unterrichtes finden.

Wenn die Corona-Krise „einen Sinn haben soll“, dann sollten wir Bisheriges und Geplantes in unserem Schulsystem überdenken. Eltern, Schüler und Lehrer sollten ihre Praxiserfahrungen viel stärker als bisher einbringen.

Mit meiner Umfrage möchte ich dazu beitragen, die vielen Gespräche mit Eltern und in den Lehrerzimmern mit einigen Zahlen zu unterlegen. Mir ist bewusst, dass dies keine wissenschaftliche Untersuchung ist. Aber ich behaupte, dass sie den Alltag meiner Schüler genauer abbildet als so manche politische Debatte in den Medien.

Ich würde mich freuen, wenn ich Entscheidungsträgern Denkanstöße geben kann. Für Rückfragen und ausführlichere Erläuterungen stehe ich gern jederzeit zur Verfügung.

Ich habe in diesem Beitrag bewusst nur die Ergebnisse zusammengestellt. Eigene Vorschläge und Ideen werde ich in einem späteren Beitrag darstellen.

Die Umfrage ist weiterhin freigeschaltet. Vielleicht haben Sie beim Lesen Lust bekommen, ihre eigene Meinung (anonym) einzubringen.

Vollkommen egal, wie sich der Schulalltag in den kommenden Wochen gestalten wird – es werden interessante Zeiten. Machen wir das Beste daraus!

„An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser.“

unbekannt

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